Vorträge

19:00 Uhr
Hightech für die Zukunft: Kultur retten-sichern-erleben
Dr. Bertram Nickolay
Salle Duchamp

Wie lässt sich kulturelles Erbe wiederherstellen, bewahren und zukünftig digital erleben? Viele Kulturgüter wurden durch Einwirkungen wie Krieg, Terror, Naturkatastrophen und nicht sachgemäße Lagerung beschädigt oder zerstört. Herr Dr. Nickolay widmet sich in seinem Vortrag dieser Problemstellung und stellt dabei die zukunftsweisende Digitalisierungs- und Rekonstruktionstechnologie des Fraunhofer IPK vor. Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und Potentiale der weltweit einzigartigen Technologie werden anhand konkreter Projektbeispiele demonstriert.

Weiter leben- warum die Zukunft viellogisch ist
Prof. Dr. Ottmar Ette
Salle Boris Vian

Die Philosophie des 20. Jahrhunderts, folgen wir Vincent Descombes, stand gänzlich im Zeichen der Alterität, im Zeichen der Beziehung zwischen dem Selben und dem Anderen. Die „question de l’autre“ (Tzvetan Todorov) war bereits seit dem 15. Jahrhundert im Kontext des europäischen Kolonialismus zur brennendsten geopolitischen Frage geworden. Doch nicht allein auf kollektiver, sondern auch auf individueller Ebene wurde die Problematik der Alterität – wie etwa von Julia Kristeva – in den Vordergrund gerückt: „Etrangement, l’étranger nous habite.“ Seit dem Fall der Berliner Mauer wechseln sich ständig neue Konstruktionen des Fremden, des Anderen, in rascher Folge ab. Wie kommen wir aus dieser tödlichen Falle des Denkens und Handelns wieder heraus? Der Vortrag versucht, im Zeichen des Polylogischen, des Viellogischen, neue und unerwartete Wege in die Zukunft aufzuzeigen.

Wissenschaftliche Klimawandeldiagnostik: Ein gesellschaftliches Instrument
Prof. Dr. Hervé Le Treut
Salle Ganeval

Bei der UN-Klimakonferenz (COP21) in Paris haben alle Nationen, mehrheitlich durch ihre Staatschefs vertreten, die Botschaft der Wissenschaftsgemeinschaft bestätigt: Damit die Erderwämung die gefährliche Schwelle von 1,5 oder 2 Grad nicht überschreitet, müssen wir in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu einem Gleichgewicht gelangen, bei dem auf die Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas weitgehend verzichtet wird. Die Schwierigkeiten dabei sind jedoch erheblich. In großen Bereichen unserer Gesellschaft wird es Widerstand geben und es gilt, die Klimarisiken gegen andere sozioökonomische oder ökologische Risiken, die ebenfalls auftreten werden, abzuwägen. Gleichzeitig müssen die Verpflichtungen der Staaten überprüft, neue Technologien entwickelt und unter Berücksichtigung der Komplexität der Zusammenhänge Lösungen gesucht werden. Die wissenschaftliche Diagnose bildet dabei eine notwendige Grundlage, damit die Zivilgesellschaft die ihr zustehende Rolle ganz ausfüllen kann.

19:30 Uhr
Die kollaborative Revolution verstehen
Dr. Jean Viard
Salle Ganeval

Die Welt ist im Moment sehr schwarz – wie Daesch – oder braun – wie die Rechtsextremen. Dennoch nimmt uns die kollaborative und digitale Gesellschaft mit auf den Weg zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Wandel, der ebenso bedeutungsvoll ist wie die industrielle Revolution. Jean Viard erzählt sowohl Erfolgsgeschichten unserer Gesellschaften als auch Geschichten von Umbrüchen: Während eine „kreative Klasse“ Innovation, Mobilität und persönliche Freiheit im Herzen der Wohlstand produzierenden Metropolen vereint, finden sich die ehemals „dominanten“ Klassen ausgeschlossen, verloren und am rechten Rand der Wählerschaft wieder. Jean Viards Untersuchung beschränkt sich nicht auf die Grenzen der Politik in der heutigen Gesellschaft und er appelliert an die Kulturakteure, sich auf ihre Rolle als langfristig visionäre, gesellschaftliche Kraft zu besinnen. Es sollen innovative Vorschläge gemacht werden, um das Zusammenleben in einer Welt zu gestalten, die sich selbst neu erfinden muss.

Die Zukünftigkeit des Vergangenen: « Une autobiographie allemande » von Hélène Cixous und Cécile Wajsbrot
Prof. Dr. Susanne Zepp
Médiathèque

Der Vortrag kommentiert das im Frühjahr 2016 erschienene Buchprojekt „Une autobiographie allemande“ von Hélène Cixous und Cécile Wajsbrot als eine literarische Vergegenwärtigung deutscher und französischer Geschichte. Dabei soll Amir Eshels Begriff der „Zukünftigkeit“ als Anregung dienen, das Eingedenken des Vergangenen bei Cixous und Wajsbrot als Fluchtpunkt einer auf Gegenwart und Zukunft bezogenen Humanität zu verstehen.

Podiumsdiskussion : "Zukunft Europa"

Salle Boris Vian

Podiumsdiskussion : "Zukunft Europa" mit dem französischen Botschafter Philippe Etienne, Alfred Grosser, Essayist und Politolog und Albrecht Meier, Journalist des Taggesspiegels. Moderation: Julia Krittian, Journalistin, Tagesschau (ARD) .

Zentrale Stadtlandschaft oder neue Altstadt? Welche Zukunft für den Freiraum zwischen Fernsehturm und Spree?
Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Salle Duchamp

Ich handele von dem Raum, der in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren als Ergebnis einer vielfach modifizierten Zentrumplanung der DDR entstand, und den der Berliner  Lanschaftsarchitekt Stephan Strauss den "Central Park der DDR" genannt hat. Hier wurde 1964-68 der Fernsehturm gebaut, der mit seiner Umbauung von 1969-72 dem Raum sein Ziel und seinen Ausgangpunkt gab.  Sein Gegenüber im Westen war der 1976 eröffnete Palast der Republik. Dort entsteht derzeit das neue Schloss. Wie soll der Ort in Zukunft aussehen und was soll er/ kann er bedeuten?

20:00 Uhr
Ambivalentes Deutschland – Migration, Flucht und Islam
Prof. Dr. Naika Foroutan
Salle Duchamp

Deutschland hat sich zu einer pluralen Einwanderungsgesellschaft entwickelt. Dies bleibt nicht ohne Konflikte und neue Trennlinien aus: Zugehörigkeiten und Rechte von Minderheiten werden ausgehandelt, Befürworter und Gegner von Vielfalt treffen aufeinander, Allianzen entstehen über Herkunftsgrenzen hinweg. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Ambivalenzen und Allianzen in der postmigrantischen Gesellschaft, also einer Gesellschaft, die sehr stark darüber nachdenkt, was nach der Migration geschieht, deutlich sichtbar werden: Die Frage nach dem „Wer sind wir und wer gehört zu diesem Wir?“ tritt in postmigrantischen Gesellschaften  stärker in den Vordergrund. Der Impulsvortrag von Frau Prof. Dr. Naika Foroutan konzentriert sich auf die Transformations- und Aushandlungsprozesse der deutschen Einwanderungsgesellschaft und diese deutlich sichtbar werdenden Polarisierungen rund um Fragen der Zugehörigkeit und die Bestimmung nationaler Identität.

Bestimmen regenerative Wirtschaftsformen unsere Zukunft?
Guibert Del Marmol
Salle Ganeval

Von San Francisco über den Amazonas und europäische Landstriche bis nach Bombay – Guibert del Marmol ist ständig in Kontakt mit Unternehmern, die die Welt verändern, und bringt die Begriffe Wirtschaft, Ökologie und Zweckmäßigkeit in Einklang. Ehemals Leiter eines Unternehmers ist er heute Berater, Autor und Redner mit dem Spezialgebiet „regenerative“ Wirtschaft. Seit 2006 begleitet er Unternehmensleiter, Verwaltungsräte und Aktionäre bei der Entwicklung eines nachhaltigen Managements auf der Grundlage der Schaffung gemeinsamer Werte. Er engagiert sich in den Bereichen Innovation, Nachhaltigkeit, soziales Unternehmertum und verantwortungsvolle Investitionen. Er tritt sowohl in Europa als auch in den USA und in Asien auf.

Wem gehört das Schöne? Überlegungen zum Museum des 21. Jahrhunderts
Prof. Dr. Bénédicte Savoy
Médiathèque

Betrübnis, Langeweile, Bewunderung, das schöne Wetter draußen, die Vorwürfe meines Gewissens, die schreckliche Empfindung, wie zahlreich die Schar der großen Meister ist, gehen neben mir her“. So beschrieb Paul Valéry einen Gang ins Museum 1923. Beinahe 100 Jahre später sind Museen zum hotspot für allerlei Positionierungen und Verhandlungen geworden. Besonders die Frage nach der Herkunft von Sammlungen ist für das 21. Jahrhundert brisant geworden. Wie gehen Museen damit um? Auf diese Frage möchte der Vortrag antworten.

20:30 Uhr
Anthropozän: Die Zukunft im Erdzeitalter des Menschen
Prof. Dr. Reinhold Leinfelder
Salle Boris Vian

Unser Leben und Wirtschaften ist vom Erdsystem abhängig. Allerdings haben wir dieses System durch unsere Nutzung in ungeahntem Ausmaß verändert. Nur noch knapp ein Viertel der eisfreien festen Erde kann als Ur-Natur angesehen werden. Wir tragen ganze Berge ab, schneiden Täler ein, lassen Seen entstehen oder austrocknen, regulieren den Lauf von Flüssen und Strömen, sogar den Meeresspiegel heben wir an. Unsere Jahresproduktion an Plastik  entspricht in etwa der Biomasse aller lebenden Menschen. Wir entleeren durch Überfischung die Meere und homogenisieren mit unseren wenigen Nutzpflanzen die Pflanzenwelt. Durch den von Menschen verursachten Treibhausgas-Ausstoß wirken wir massiv auf das Klima ein. Damit ist der Unterschied zwischen Mensch und Natur überwiegend verschwunden und die Menschheit zu einer geologischen Kraft geworden. Derzeit testen Geologen, ob sie nicht ein neues Erdzeitalter, das Anthropozän ausrufen müssen, welches durch Technofossilien wie Plastik-, Aluminium-, und Betonteile in den Sedimenten charakterisiert wird. Gleichzeitig hilft die neue Sichtweise des Anthropozäns, den Mensch neu im Erdsystem zu verorten. Damit sollte es möglich werden, die Wirkungskraft des Menschen nun wissensbasiert und vorsorgeorientiert zur Gestaltung eines zukunftsfähigen, nachhaltigen und gerechten Anthropozäns zu nutzen. Um uns kreativ auf die Zukunft einzulassen, sollten dabei verschiedene mögliche „Zukünfte“ skizziert, versuchsweise ausprobiert und von jedem selbst mitgestaltet werden – eine Aufgabe für die auch das Haus der Zukunft in Berlin Wegweiser und Plattform sein möchte.

Arabische Welt im Umbruch: Welche Möglichkeiten eröffnet dieser Wandel?
Dr. Leyla Dakhli
Salle Ganeval

Ziel dieses Vortrags ist es nicht, (bisweilen selbsterfüllende) Vorhersagen zu machen, die oft auf die arabische Welt angewendet werden, sondern das Gegenteil zu versuchen und aus den Errungenschaften der letzten fünf Jahre das zukünftige Potenzial für die kommenden Jahre oder Jahrzehnte zu schöpfen.
Sich die Grenzen dieser Welt vorzustellen; die Sprachen, die dort gesprochen, die Verbindungen, die dort geknüpft werden - ausgehend von einer historischen Arbeit und frei beweglich innerhalb dessen, was man vielleicht bald nicht mehr die „arabische Welt“ nennt.

Arbeit: Fluch oder Segen
Prof. Dr. Andreas Eckert
Médiathèque

„Angst vor Langeweile ist die einzige Entschuldigung für Arbeit“. Der Komiker Groucho Marx verwies mit diesem Spruch darauf, dass Arbeit Selbstverwirklichung und ein Mittel gegen Langeweile sein kann. Arbeit war und ist für viele Menschen aber vor allem Abhängigkeit und Last, mehr Fluch als Segen. Das Konzept von Arbeit ist äußerst vielgestaltig. Arbeit ist weit mehr als eine wirtschaftliche und körperliche Tätigkeit, um den Lebensunterhalt zu sichern. Leitend für die Definition von Arbeit war hierzulande freilich lange Zeit die recht gradlinige Gleichsetzung von Arbeit mit geregelter Erwerbsarbeit, die sich im Zusammenhang mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert etablierte. Inzwischen jedoch gilt vieles als „Arbeit“, was es vorher nicht war: Wer kocht, verrichtet Hausarbeit; wer das Liebesleben mit seinem Partner erörtert, leistet Beziehungsarbeit; wer sich um seine Kinder kümmert, erbringt Betreuungsarbeit; und das Fitnessstudio ist voller Körperarbeiter. Zudem prägen gegenwärtig Prozesse der Informalisierung von Arbeitsregulierung die Arbeits- und Lebensbedingungen einer wachsenden Zahl von Menschen in verschiedensten Regionen der Welt – und beileibe nicht nur im „globalen Süden“. „Normal“ sind für immer mehr Menschen weltweit prekäre Arbeitsverhältnisse. Und für viele ist das nichts Neues.

In diesem Vortrag wird kurz und pointiert und trotzdem in globaler Perspektive diskutiert, warum das Thema „Arbeit“ für die Geschichte, Gegenwart und Zukunft wichtig ist.

Föderationen: wie und warum sie vergehen und entstehen
Prof. Dr. Christoph Möllers
Salle Duchamp

Warum schließen sich politische Gemeinschaften zu größeren politischen Einheiten, zu Föderationen zusammen, wie die deutschen Territorien zum Vorläufer des Deutschen Reichs 1866/67 oder europäische Staaten zur EWG/EG/EU?  Welche Gewinne versprechen sie sich davon und welcher Preis ist zu zahlen ? Der Vortrag gibt einen Einblick in die Theorie der Integration und soll dabei helfen, die aktuellen Dilemmata der EU zu verstehen.

21:00 Uhr
Europa Trotzdem
Prof. Dr. Alfred Grosser
Cinéma Paris

Gibt es noch ein Europa? De Gaulles Europa der Staaten hat über das transnationale Europa von Robert Schuman gesiegt. Die Staaten Europas scheinen mächtiger denn je und die europäischen Institutionen (der Europäische Rat, die Europäische Kommission, das Europäische Parlament) wirken machtlos. Dazu scheinen in einigen osteuropäischen Ländern die Grundrechte gefährdet. Und die Flüchtlingskrise wird Europa noch lange erschüttern.

Trotzdem sollten die Hoffnung nicht verlieren. Europa hat eine gut funktionierende Zentralbank; die Flüchtlinge wurden in Deutschland wunderbar empfangen; die deutsch-französische Freundschaft ist solide (s. das Deutsch-Französische Jugendwerk, die Deutsch-französische Hochschule, etc.); das Wirken der Verbände wird immer größer.

Auch wenn es viele Gründe gibt, zu verzweifeln, hoffnungslos ist die Lage in Europa nicht. Daher meine Aussage: Europa trotzdem!

Moderation: Julia Krittian, Journaliste, Tagesschau (ARD)

Hat der menschliche Körper noch eine Zukunft? Die Frage der Philosophie des Körpers.
Prof. Dr. Gunter Gebauer
Salle Boris Vian

Von verschiedenen Richtungen her werden die natürliche Funktionen des menschlichen Körpers verbessert, über jedes humane Maß gesteigert oder gar von Maschinen ersetzt, die intelligenter als der Mensch sein sollen. Es scheint angesichts des heutigen Wissensstands nicht mehr unmöglich zu sein, sich eine transhumane Zukunft vorzustellen. Wenn es nach den Wünschen der an diesen Vorhaben beteiligten Bio-Wissenschaftler, Ingenieure und Informatiker geht, würde der natürliche Körper durch inteligentere und mächtigere Artefakte ersetzt werden. Können aber die humanen Fähigkeiten des Fühlens, Verstehens, Sprechens, Entwerfens tatsächlich von intelligenten Maschinen übernommen werden? Oder besitzt der menschliche Körper Fähigkeiten, die nicht künstlich simuliert und übertroffen werden können?

L'eau et les rêves en 2016, Was wir vom fantasiereichen Umgang mit Wasser über soziale Nachhaltigkeit lernen können
Dr. Rafael Ziegler
Salle Duchamp

Der Vortrag ist von Gaston Bachelards schönem Buch inspiriert. Bachelards Überlegung zu Wasser und Vorstellungsvermögen sollen als Sprungbrett dienen, um über den Umgang mit Wasser im öffentlichen Raum praktisch nachzudenken. Wie füllen wir die objektive Wasserproblematik mit subjektiven und sozialen Überlegungen für eine nachhaltigere Zukunft? Ein Beispiel dafür ist der Big Jump - der vom ERN (von der Loire) organisierte europäische Flussbadetag, der auf seine Weise einen Weg in eine nachhaltigere Zukunft weist. Ein lokales Beispiel ist der Plan für ein Flussbad an der Berliner Museumsinsel. Alles ist im Fluss, wenn wir im Fluss sind? Pars pro toto schaffen solche "konkreten Träume" Räume für die Diskussion und Erprobung einer nachhaltigeren Zukunft.

Neue Antibiotika: Unsere einzige Überlebensstrategie gegen virulente Bakterien
Prof. Dr. Jochen Maas
Médiathèque

Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stiegen viele Pharmaunternehmen aus der Erforschung neuer Antibiotika aus. Das hatte v.a. 3 Gründe: Zum einen keinen entscheidenden wissenschaftlichen Fortschritt über Jahrzehnte, zum zweiten die Einschätzung, mit einer akuten Erkrankung weniger verdienen zu können als mit chronischen und zum dritten die dramatische wissenschaftliche Fehlinterpretation, die Infektionserkrankungen größtenteils unter Kontrolle zu haben. Alle drei damaligen Annahmen haben sich als falsch erwiesen – mit der Konsequenz, daß sowohl akademische als auch industrielle Wissenschaftler sich wieder zunehmend mit der Infektionsforschung und damit auch mit der Suche nach neuen Antibiotika beschäftigen. Haupttreiber dafür ist natürlich die ständig steigende Anzahl sogenannter nosokomialer Infektionen mit resistenten Keimen, die ein wachsendes Problem unseres Gesundheitssystems darstellen. Aber auch andere Infektionserkrankungen sind (wieder) auf dem Vormarsch: Erinnert sei nur an die Tuberkulose, die seit Jahren wieder ansteigende Patientenzahlen zeigt.

All diese Fakten machen neue Ansätze in der Infektionsforschung zwingend notwendig: Das betrifft natürlich die intensive Suche nach neuen innovativen Medikamenten, die sowohl aus der Natur kommen als auch synthetisch hergestellt werden können. Aber auch andere darüber hinausgehende Aspekte müssen dringend beachtet werden: Wir brauchen für den sehr aufwändigen und komplizierten Prozess des Findens solcher neuen Moleküle konzertierte Aktivitäten aller Forscher, unabhängig davon, ob diese einen akademischen oder industriellen Hintergrund haben. Mit anderen Worten: Innovative Kooperationsmodelle mit neuen Anreizen für alle Partner müssen geschaffen werden. Und letztendlich brauchen wir auch ein System, das echte Innovationen mit den entsprechenden Preisen (oder anderen Anreizen) honoriert.

21:30 Uhr
Die Schlüssel der Zukunft
Jean Staune
Salle Boris Vian

Eine Welt stirbt, die Welt der Industriegesellschaft basierend auf Maschinen, Kapital und materiellen Werten. Eine andere Welt erblickt gerade das Licht der Welt; diese basiert auf Digitalisierung, Kreativität, Innovation, Intelligenz. Für unsere Gesellschaft bedeutet dies einen Wandel, der dem gleichkommt, der sich vom Mittelalter zur Moderne vollzog. Es finden fünf Revolutionen (in der Wissenschaft, der Technologie, der Gesellschaft, der Wirtschaft und im Management) gleichzeitig statt, die unsere Art des Konsums, der Produktion, des Verhaltens im Berufsleben und sogar im Privatleben stark beeinflussen werden. Unsere gesamten Orientierungshilfen werden umgeworfen. Dieser Eingriff soll eine Art GPS sein, mit dem jeder Einzelne die notwendigen Anhaltspunkte erhält, um zu verstehen, welches die größten Bedrohungen sind und wie wir die aktuelle Krise bewältigen können. Von gesellschaftlichen Veränderungen, über neue wirtschaftliche Methoden in Unternehmen, die die Welt von Morgen verändern werden, bis hin zu wissenschaftlichen Umwälzungen werden wir uns mit allen wichtigen Bereichen beschäftigen, die unser Leben beeinflussen, und wir werden sowohl Ideen als auch Methoden vorstellen, mit denen wir eine neues Kapitel im Buch „Abenteuer Menschheit“ aufschlagen können, statt uns vom Niedergang der aktuellen Welt mitreißen zu lassen.

Keine Frage der Freiwilligkeit! Warum wir mehr brauchen als moralische Verantwortung von Unternehmen und ethischen Konsum
Dr. Miriam Saage-Maaß
Salle Duchamp

„Wirtschaften mit Verantwortung“, corporate social responsability: Etliche transnationale Unternehmen und Konzerne schmücken sich mit dieser freiwilligen Selbstverpflichtung. Doch die Realität in der globalisierten Wirtschaft des 21. Jahrhunderts sieht anders aus. Immer wieder verletzen Konzerne, ihre Tochterfirmen oder Zulieferbetriebe Menschenrechte im Ausland – durch gezielte Kooperation mit gewalttätigen Regimes, durch eine rein am Profit orientierte Geschäftspolitik oder schlicht durch mangelnde Sorgfalt des Managements. Die Betroffenen haben selten Mittel und Wege, ihre Rechtsansprüche am Hauptsitz des verantwortlichen Unternehmens geltend zu machen, geschweige denn durchzusetzen. Und auch als bewusst konsumierende Menschen sind wir unbedingt in der Lage, fair produzierte Waren zu kaufen und so den Markt zu beeinflussen.
Das ECCHR setzt sich dafür ein, dass Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen juristisch aufgearbeitet werden. Damit sollen auch rechtspolitische Debatten angestoßen werden: Welche Rolle spielen transnationale Unternehmen in der globalisierten Welt? Welchen Regeln und Gesetzen unterliegen sie? Welche Gesetze sind nötig, um Unternehmen angemessen für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen? Bei allen Verfahren behalten wir die wirtschaftliche, soziale und politische Dimension im Blick, und versuchen ,die Machtverhältnisse durch den Einsatz innovativer und unerwarteter juristischer Mittel zu unterlaufen.

22:00 Uhr
Décroissance – Gesellschaft jenseits des Wachstumsgedankens: ein Zukunftskonzept
Prof. Dr. Serge Latouche
Médiathèque

Der Begriff décroissance („Wachstumsrücknahme“) findet neuerdings vor allem in der Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsdebatte Verwendung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde er im provokativen Sinne benutzt, um der irreführenden Idealvorstellung von nachhaltiger Entwicklung zu widersprechen. Inzwischen steht décroissance für ein komplexes alternatives Konzept, das die Abkehr der Gesellschaft von der Wachstumslogik vorsieht.
Denn wir leben heute in Wachstumsgesellschaften. Gesellschaften, die von einer auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft dominiert und von letzterer fast vollständig absorbiert werden. Die Konsumgesellschaft ist das natürliche Ergebnis einer Wachstumsgesellschaft. Sie basiert auf einem in dreifacher Weise grenzenlosen Verhalten: unbegrenzte Produktion und damit unbegrenzter Abbau erneuerbarer und nicht erneuerbarer Ressourcen; unbegrenzte Erfindung immer neuer Bedürfnisse und damit überflüssiger Güter; und unbegrenzte Erzeugung von Abfall und damit von Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung. Um das Überleben der Menschheit und die Bewohnbarkeit des Planeten zu gewährleisten, müssen wir wieder ein Bewusstsein für Grenzen bekommen. Das Konzept der décroissance ist also nicht die Alternative, sondern vielmehr ein Rahmen für Alternativen, der dem Menschen den Weg zu vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten und zu kreativen Lebens- und Schaffensräumen weist, indem er die Wirtschaft von der Last des Totalitarismus befreit. Folglich kann sich eine Gesellschaft jenseits des Wachstumsgedankens in Europa anders entwickeln als in Subsahara-Afrika oder Lateinamerika. Vielfalt und Pluralismus müssen wieder entdeckt und gefördert werden. Wir können also kein schlüsselfertiges Modell einer wachstumsfreien Gesellschaft liefern, sondern lediglich die Grundzüge einer nicht auf Produktivismus gerichteten nachhaltigen Gesellschaft aufzeigen: die konkrete Utopie einer autonomen Wohlstandsgesellschaft, die ein friedliches Zusammenleben ohne Wachstum ermöglicht. Dieses Konzept mag heute als Chimäre gelten. Es erweist sich tatsächlich aber als ungeheuer realistisch, wenn wir den künftigen Zerfall der menschlichen Zivilisation verhindern wollen.

Wege für die Zukunft Europas in der realen Welt
Prof. Dr. Michel Foucher
Salle Ganeval

Das europäische Projekt steht vor zahlreichen externen Herausforderungen, die die inneren Schwächen offenlegen. Nach der Versöhnung der aus der Herrschaft der Karolinger entstandenen europäischen Staaten und der Erweiterung der europäischen Sphäre nach 1989/1991 müssen die Europäer ihre historische Unschuld (die Überwindung der Vergangenheit als einziger Grundlage) und ihre das vernachlässigte Thema der Geopolitik (die Wahrnehmung der Welt als einen formbaren Nachbarn) hinter sich lassen. Vor ihnen liegt die Aufgabe, eine dritte Stufe zu errichten auf der Höhe einer realen Welt, die an ihrer Schwelle beginnt: Was können wir tun, um gemeinsam Einfluss zu nehmen auf das Geschehen in dieser krisengeschüttelten Welt, in der drei Viertel aller schweren Krisen 3 bis 6 Flugstunden von Paris oder Berlin entfernt sind? Wie können wir gemeinsam zu einem einflussreichen Akteur werden, um den Lauf der Dinge zu verändern?

Wie entsteht eine Idee?
Prof. Dr. Cédric Villani
Cinéma Paris

Mit einer Idee eines Wissenschaftlers, eines Ingenieurs oder eines Erfinders kann man die Welt verändern, entweder ein bisschen oder sehr stark. Die Entstehung von Ideen zu fördern, ist die wahre Herausforderung des Bildungswesens, vor allem im Bereich der Forschung. Aber eine Idee wächst nicht einfach so im Kopf der Leute. Es braucht Zutaten und Dünger, um sie auf die Welt zu bringen.

Moderation: Jean-Jacques Pierrat, Conseiller scientifique, Ambassade de France

22:30 Uhr
Schwächt sich der Golfstrom ab?
Prof. Dr. Stefan Rahmstorf
Salle Ganeval

Die Gefahr einer Abschwächung oder gar eines Abreissens des Golfstromsystems im Atlantik beschäftigt seit langem die Klimaforscher und beflügelte auch schon die Fantasien von Hollywood. Regelmäßige Messungen der Strömung reichen nicht weit genug in die Vergangenheit zurück, um einen längerfristigen Trend erkennen zu können. Deshalb wurde in den letzten Jahren versucht, mit indirekten Methoden die vergangene Entwicklung der Strömung zu rekonstruieren, z.B. aus charachteristischen Veränderungen der Meerestemperaturen. So findet man im nördlichen Atlantik einen Abkühlungstrend über das 20. Jahrhundert, während sich der Rest des Globus deutlich erwärmt hat. Es mehren sich die Hinweise, dass das Golfstromsystem sich im Zuge der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert bereits spürbar verlangsamt hat, mit Auswirkungen auf das Wetter in Nordamerika und Europa.

Welche Zukunft für unsere Schulsysteme im Zeitalter der digitalen Globalisierung?
Prof. Dr. Philippe Meirieu
Médiathèque

Die Digitalisierung hat uns und unsere Kinder fest im Griff. Technikanhänger und -gegner streiten sich über die großartigen Chancen bzw. über die Gefahren dieses Abenteuers. Stehen wir kurz vor einer Revolution, die es uns ermöglicht, unsere Schulsysteme und unsere Schüler in die Wissensgesellschaft einzuführen, oder stehen wir vor der Unterwerfung vor technologischen Prothesen, die uns am Denken hindern werden? Werden wir die pädagogischen Beziehungen verändern können, um den Schülern eine persönlichere, aktivere und spielerische Lernsituation zu bieten, oder werden wir nur auf Bildschirme glotzende Individuen hervorbringen? Sicherlich muss man sich vor jeglichen Prophezeiungen in Acht nehmen, aber wir können unsere Augen dennoch nicht vor den Fragen verschließen, die dieses Phänomen mit sich bringt. Daher stellen wir uns die Frage nach der sozialen Auswirkung der Digitalisierung auf die kindliche Psyche, aber auch nach der Art und Weise, wie unsere Schulsysteme das Digitale integrieren können, ohne ihre wesentliche Aufgabe der Bildungsvermittlung aus den Augen zu verlieren.

23:00 Uhr
Die Möglichkeiten der Zukunft
Camille De Toledo
Médiathèque

Kennen Sie das Geräusch schmelzender Gletscher oder Eisberge? Camille de Toledo, Schriftsteller, Skulpteur, Theoretiker, Autor des Werkes Nous sommes des possibilités infinies – ein sowohl intellektueller als auch plastisch literarischer Vorschlag für die „Politik des Möglichen“ –, geht für die Konferenz zum Thema „Die Möglichkeiten der Zukunft“ von genau diesem Geräusch aus: dem Krachen, ausgelöst von schmelzendem Eis, aufgenommen von einer akustischen Sonde, die in die Tiefen des Arktischen Ozeans herabgelassen wurde. Ausgehend von diesem Eintauchen in das Herz des Anthropozän, wo Sie anhand der Eisschmelze und der „Klagelieder“ von Walen mit der Realität der Zerstörung unserer Ökosysteme durch den Menschen konfrontiert werden, bietet Toledo eine „Kartographie der Gegenwart und der Zukunft“. Er zeigt die Schlacht, die gerade geschlagen wird, um Möglichkeiten für unsere Zukunft zu schaffen, die über unsere Weltuntergangsszenarien hinausgehen. Zwischen Spekulationen über „das Ende aller Zeiten“, transhumanistischen Prophezeiungen des Silicon Valley und dem Glauben an eine dritte, die Menschheit von der Maschine „befreiende“ Beschleunigung skizziert Toledo den Rahmen für seinen „potentiellen Gedanken“, einen Gedanken, der allen möglichen Welten unendlich offen steht.

Geopolitik von TV-Serien/ Triumph der Angst
Prof. Dr. Dominique Moïsi
Salle Ganeval

TV-Serien, zumindest die Guten, sind heute das, was der Feuilletonroman im 19. Jahrhundert war: ein Spiegel des Zeitgeistes. In dieser Eigenschaft wirken sie heutzutage wie ein Katalog der Ängste in der Welt: Angst vor Terrorismus ("Homeland"), Angst vor dem Zerfall der Demokratie ("House of Cards"), Angst vor Chaos ("Game of Thrones"), Angst vor der Wiederkehr der russischen Bedrohung ("Occupied").
Inspirationsquelle für die Fiktion ist hier naturgemäß die Realität mit den wachsenden Ängsten weltweit. Doch was wäre, wenn die Realität auch von der Fiktion inspiriert würde?

Gespräch über 2084. Das Ende der Welt
Dr. Boualem Sansal
Cinéma Paris

In Abistan, einem riesigen Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Jegliches individuelle Denken ist abgeschafft; das Eingeschworensein auf ein allgegenwärtiges Überwachungssystem steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln.
Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben.
Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker „1984“, hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ...
Während George Orwell in seinem Zukunftsroman das totalitäre Regime Stalins vor Augen hatte, entwirft Boualem Sansal in seinem Roman das Szenario eines Regimes, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht. Es ist ein Regime, das sich die gegenwärtige Vereinzelung des Individuums auf der Suche nach persönlichem Glück und Wohlergehen auf erschreckende Weise zunutze und zum Motor der Gemeinschaft macht. In Abistan sind Fragen oder Diskussionen gänzlich überflüssig geworden: Eine kleine Gruppe von Herrschenden sorgt für die Gemeinschaft ebenso wie für das Wohlergehen des Einzelnen, wobei den Regeln des Staates folgend das Streben nach spiritueller Erleuchtung den Alltag eines jeden Bürgers diktiert.
Sansals Vision ist zugleich faszinierend und erschreckend – in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche mahnt sie zu gelebter Brüderlichkeit, toleranter Demokratie und einsichtiger Freiheit.

Moderation: Dr. Marjorie Berthomier, Kulturattachée, Französische Botschaft

23:30 Uhr
Das Klima beherrschen? Zukunftsszenarien des Klimawandels nach dem Pariser Klimaabkommen
Dr. Stefan Aykut
Salle Ganeval

Die Zunahme klimatischer Probleme auf der internationalen Agenda gab Anlass zur Einrichtung eines einzigartigen Governance-Systems. Dazu gehört auch das im Dezember 2015 geschlossene Übereinkommen von Paris, das die bisher letzte Etappe beschreibt. Bis jetzt ist der multilaterale Prozess daran gescheitert, den Anstieg der weltweiten Treibhausgasemissionen dauerhaft einzudämmen, der für die Erderwärmung verantwortlich ist. Wie ist also das Ergebnis dieser Verhandlungen einzuschätzen? Wie lässt sich „das Klima beherrschen“ in einer Welt, die stets Beschleunigung erfährt und zahlreichen Krisen gegenübersteht? In welchem Rahmen müssen die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen überdacht werden, um sie in künftige Überlegungen integrieren zu können?

Ökolonomie, umweltgerecht wirtschaften
Emmanuel Druon
Médiathèque

“Es ist ökonomischer, ökologisch zu produzieren.” So die Unternehmensphilosophie von Emmanuel Druon, der mit seiner Firma Pocheco (Lille) gemeinsam mit den 122 Mitarbeitern nun schon seit 17 Jahren nach sozial-ökologischen Kriterien wirtschaftet.
Während die meisten Unternehmen nach Profit um jeden Preis streben, haben sich Emmanuel und seine Mitarbeiter umweltverträglichen und menschenwürdigen Methoden verschrieben, die einen nachhaltigen Produktivitätsgewinn sichern. Er selbst sagt: „Wir im Westen haben die Lithosphäre und deren fossile und spaltbare Brennstoffe, Bodenschätze und Meeresressource erschöpft. Auch die Menschen sind erschöpft. Wir können noch produzieren und wirtschaften, aber nur wenn wir nicht weiter zerstören.”
Autarke Wärme- und Wasserversorgung, Photovoltaik, Recycling, Wiederaufforstung, Dachbegrünung, Phytoreinigung, Isolierung, Vermeidung von Chemikalien und Schadstoffen: Das Unternehmen hat zunehmend ökologische Produktionsverfahren entwickelt, um der Biosphäre so wenig wie möglich zu schaden. Die Zahlen sprechen für sich: Pocheco hat in den vergangenen 15 Jahren 10 Millionen Euro investiert, um seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, und dabei Einsparungen in Höhe von 15 Millionen Euro erzielt

Vorträge | Die Nacht der Ideen - Berlin

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